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7. Oktober 2020

Die Geschichte vom Gipfelkreuz

Gipfelkreuz mit der Sonne im Fokus - Gegenlichtaufnahme

Das Gipfelkreuz am Großen Feldberg/Taunus
und sein Duplikat in Bani/Philippinen

Seit über 3 Monaten sprinten die ARQUE-Sprinter die legendäre Nordbahn im Feldbergmassiv hinauf nach dem Motto:

uffgerappelt, mitgedappelt, nuffgedappelt, nuffgedackelt & nuffgegrabbelt

und alle freuen sich, wenn Sie bei 1.078 m rechter Hand aufs Feldberg-Plateau einbiegen können, und dann nur noch eine flache Piste vor Ihnen liegt bis ins Ziel bei 1.249 m – unweit des Gipfelkreuzes. Doch vielen ist die Geschichte des Gipfelkreuzes unbekannt.

Das Gipfelkreuz in der Sonne

Zu den Sprintern gehört in diesem Jahr auch Thomas Eckermann aus Niederreifenberg. Er ist der Stifter und Errichter des Gipfelkreuzes und reizt selbstverständlich seinen Heimvorteil aus, sodass er aktuell im GOLD-Level mit 40:34 min (13:15/13:26/13:56) auf Platz 5 in der M60 liegt.

Vor 10 Jahren zu seinem 50. Geburtstag hatte sich Thomas Eckermann die Errichtung des Gipfelkreuzes gewünscht. Zu seinem runden Geburtstag schenkten die Geburtstagsgäste insoweit Arbeitszeit und Geld, um dieses besondere Projekt zu verwirklichen. Inzwischen ist er in der Altersklasse M60 unterwegs. Knapp anderthalb Jahre hatte es gedauert bis das Gipfelkreuz an seinem aktuellen Platz stand, sodass in 2021 das große 10-jährige Jubiläum ansteht. Hier hat er schon Pläne, die ersten 10 Jahre in einer Dokumentation zu präsentieren.

“Für mich, als Niederreifenberger, war es dann schön, dass das Kreuz dann auch auf dem ehemaligen Grund und Boden der Gemeinde Niederreifenberg und auch dem höchsten Punkt der Niederreifenberger Gemarkung errichtet wurde. Ist ja eigentlich auch mit 879,5 m fast der höchste Punkt des Feldbergs.”

Ursprünglich sollte das Gipfelkreuz aus Edelstahl gefertigt werden. Es gab auch schon einen Entwurf. Dieser ist dann aber zum einen am Preis gescheitert, denn so etwas hätte ca. 25.000 € gekostet und zum anderen musste man ja auch permanent damit rechnen, dass infolge des hohen Materialwertes durchaus die reelle Gefahr bestand, dass es demontiert werden könnte, um dann als Schrott verkauft zu werden.

“Dann hatte ich die Idee, es aus Rohrschellen zu fertigen, die wir in meiner ehemaligen Firma herstellten. Die Firma Eckermann hatte mein Urgroßvater 1895 gegründet und ich durfte diese in 4. Generation bis 2017 leiten. Rohrschellen haben wir schon zwischen den beiden Weltkriegen für die Hoechst AG hergestellt. Auch heute noch werden Nachfolgegesellschaften und Subunternehmen, die auf dem ehemaligen Werksgelände der Hoechst AG angesiedelt sind, damit beliefert. Geschweißt wurde das Gipfelkreuz dann von der Schlosserei Sturm aus Oberreifenberg (gegründet 1872), denn schließlich sollte ja auch das Geld verbraucht werden.”

Das ca. 3,50 m hohe Gipfelkreuz trägt in seiner offenen Mitte einen Taunus-Quarzit, der ursprünglich aus dem Quarzit-Werk in der Nähe von Usingen stammt. “Bekommen habe ich den aus dem Garten von Freun-den aus Niederreifenberg, die diesen mit ihrem Sohn vor Jahren dort geholt hatten.”

Es war ein langer Weg bis zur Umsetzung des Projektes, denn ver-schiedene Behörden und Grundstückseigentümer hatten Mitsprache-rechte.

“In einer Blitzaktion habe ich dann – nach Klärung der Zuständigkeiten – mit Freunden das Fundament ausgehoben und den Sockel betoniert, und das Wetter spielte Gott sei Dank mit. Später hat dann noch mein Schwager Frank Herr (Bad Soden) – mit eigenem Gartenbaubetrieb – die Fläche drumherum gestaltet. Am 15.11.2011 stellten wir gemeinsam mit der Schlosserei Sturm das Gipfelkreuz an seinem Bestimmungsort auf. Der Taunus-Quarzit wurde dann erst dort direkt vor Ort montiert bzw. verklebt. Es musste dann alles ganz schnell gehen, denn Ende 2011 hatte der Landrat Ulrich Krebs nur noch am 20. November für die Weihe des Gipfelkreuzes einen freien Termin. Immerhin waren bei der Weihe durch unseren damaligen Pfarrer Hanns Jörg Meiller etwa 100 Gäste vor Ort. Das Gipfelkreuz habe ich mit der Einweihung am 20.11.2011 symbolisch an die Gemeinde Schmitten übergeben, sonst hätte ich noch dort für die Sicherheit sorgen müssen. Trotzdem kümmere ich mich immer noch drum, auch um das Umfeld. Ein bis zweimal die Woche bin ich meist mit dem Fahrrad oben auf dem Gipfel. Für mich ist es immer wieder schön zu sehen, dass das Gipfelkreuz auch anderen Menschen etwas bedeutet. Viele Radfahrer haben das Gipfelkreuz als Profilbild zusammen mit ihrem Rad gespeichert. An Heilig Abend sind hunderte von Motorradfahrern und alte Traktoren zwanglos dort oben. Dann kommen immer die Guckesmusiker aus Neuenhain und machen Guckesmusik am Gipfel-kreuz. Immer wieder toll und ein Erlebnis, wenn sich manchmal über 500 Gäste um das Gipfelkreuz gruppieren.”

Das Gipfelkreuz, im Vordergrund Alphornbläser

Neben diesem Original auf dem Gipfel des Großen Feldbergs steht über 10.000 km entfernt ein Duplikat in Bani/Philippinen: Die dortige Partner-gemeinde der 4 katholischen Kirchengemeinden Schmittens hatte nach einem Freundschaftsbesuch das Gipfelkreuz nachgebaut. Die Besucher-gruppe war von der Konzeption und der offenen Gestaltung und somit auch der Winddurchlässigkeit beeindruckt, zumal die Philippinen häufig von schweren Stürmen heimgesucht werden. Von dem bei einem solchen Sturm zerstörten Holzkreuz konnte nur noch ein Teil gerettet werden und – statt des Taunus-Quarzits im Original – in der Mitte montiert werden.

“Nach dem Winter 2011/2012 hatte ich die Idee, noch einen Kasten für ein Gipfelbuch dort anzubringen und dann auch am 21. Mai 2012 dort angeschraubt. Mittlerweile habe ich hier zu Hause 40 Gipfelbücher. Dort wird viel gekritzelt, aber es sind auch immer wieder schöne Eintragungen auch aus vielen verschiedenen Ländern. Das Besondere: Unser Minister-präsident Volker Bouffier war am 15. September 2013 mit Gattin dort oben und wollte sich in das Gipfelbuch eintragen. Genau dieses damalige Buch war verschwunden (das Einzige bis heute). Dann rief mich seine Sekretärin an und wollte ein neues Gipfelbuch spenden. Dies haben sie dann auch getan, mit Bild von beiden am Kreuz und Widmung.”

Insoweit, liebe ARQUE-Sprinter, tragen Sie sich nach Ihrem Gipfel-SPRINT ins aktuell 41. Gipfelbuch ein. Ihre Eintragungen werden mit Sicherheit vom Stifter und Errichter Thomas Eckermann gelesen, und vielleicht taucht die ein oder andere interessante Eintragung dann beim 10jährigen Jubiläum im nächsten Jahr explizit auf.

Kreuz im Fokus des Sonnenlichts

Bildquellen

  • SE-DSC_1658..: Susanne Eckermann - Niederreifenberg mit freundlicher Genehmigung | Alle Rechte Vorbehalten
  • SL-IMG_9970: Laura Lorey - Oberems mit freundlicher Genehmigung | Alle Rechte Vorbehalten